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Viele glauben dieses Problem exestiere heute nicht mehr.
Falsch!
Durch Missstände in jeglichen Bereichen im globen,gleichen Kontext sehen wir dieses Problem erneut auf uns zukommen.
Nur in einem etwas anderen Outfit. Siehe zur Zeit die USA und deren undemokratischen,lebevollen Presidenten,Bankenkrisen,etc. von uns allen selbst geschaffen ohne jegliche Absicht auf Regeln eingesehen.
Nationale Identitäten werden wieder hervorgeschoben oder die roten Socken Theorie, die echt kein Arsch braucht.Technologien werden missbraucht ,um uns eindeutig zu verarschen und uns des Lebens zu berauben,
da ein paar Viele meinen,man kann es ja machen.
Aber weit gefehlt.Die Zukunft wird es erst zeigen,wobei die Älteren auch abgeben lernen zu müssen,sollte trotz deren schweren Vergangenheit vieles schwer gewesen ist.
Aber keiner lebt ewig!
Oder?
Ein Rückblick auf den SPIEGEL-Titel 48/1987
Wunder oder Illusion – der damalige Bürgermeister Klaus von Dohnanyi als Schlichter in den Auseinandersetzungen über die Häuser in der Hafenstraße.
Seit sieben Jahren haken knapp hundert militante Hausbewohner Hamburg in Atem
In Harlem würden sie nur kichern
Unter den Rathaus-Randalierern hat die Polizei „einige Leute aus dem engeren RAF-Umfeld und bekannte Gewalttäter aus der Hafenstraße” ausgemacht. Doch nur ein Störer ist tatsächlich in der Hafenstraße gemeldet. Am Dienstag dieser Woche forderte der Senat von der Lawaetz-Stiftung, der Eigentümerin der Häuser, eine zweite Abmahnung des Vereins Hafenstraße. Einer der Gründe: Noch immer liegen nicht alle Mietverträge vor. Der Senat vermutet, daß noch andere aus dem Störtrupp in der Hafenstraße wohnen, ohne dort gemeldet zu sein. Es bestehe noch „Ermittlungsbedarf”, verkündet Bürgermeister Voscherau. Den würde es nicht geben, lägen alle Mietverhältnisse offen vor.
Klaus von Dohnanyi stand in seinem Arbeitszimmer vor dem Fernsehgerät. Den Bürgermeister begeisterte, was er sah: In der Hafenstraße räumten die Bewohner und ihre Unterstützer die Barrikaden weg. Am Nachmittag des 19. November 1987 war die drohende Schlacht um die Häuser am Eibufer abgewendet. Und die Nation hatte einen neuen Helden.
Auf dem Höhepunkt der Konfrontation, als 6000 Polizisten zum Sturm auf die Festung am Hafen aufmarschiert waren, hatte Dohnanyi einen risikoreichen Alleingang gewagt. Gegen die Mehrheit in Senat und Bürgerschaft, gegen das Votum der Sicherheitsexperten wollte er der „friedlichen Lösung” eine letzte Chance geben. „Bauen Sie die Barrikaden ab”, appellierte er an die Hafensträß-1er. „Dann bekommen Sie den Pachtvertrag. Dafür verpfände ich mein politisches Wort. Dafür werde ich mein Amt als Bürgermeister dann in die Waagschale werfen.”
Die Bewohner vertrauten dem Bürgermeister. Dohnanyi hielt Wort und unterschrieb den „derzeit brisantesten Kontrakt der Republik” (Spiegel). Der Bürgermeister anschließend zum Hafenstraßen-Anwalt Rainer Blohm: „Nun bring’s hin und sag’s den Leuten.” Klaus von Dohnanyi hatte in seiner Vaterstadt Frieden gestiftet.
Einen trügerischen Frieden. Denn das „Wunder von Hamburg” blieb Episode. Heute, gut zwölf Monate nach dem Abschluß des Pachtvertrages, spitzt sich der Konflikt um die Hafenstraße erneut zu. Henning Voscherau, Nachfolger Dohnanyis im Bürgermeisteramt, ist fest entschlossen, das ungeliebte Wohnprojekt zu beenden. Für Voscherau, der Dohnanyis Kompromißlinie von Anfang an für falsch hielt, bleibt die Situation in der Hafenstraße „inakzeptabel”. In einer vertraulichen Senatsdrucksache des Bürgermeisters von Ende November heißt es lapidar: „Es ist festzustellen, daß Hauptziele des Pachtvertrages ein Jahr nach dessen Abschluß immer noch nicht erreicht sind.”
Zum zweiten Mal macht ein Bürgermeister die Hafenstraße zur Chefsache, ganz so, als hätte die Hansestadt keine anderen Sorgen. Dabei ist Hamburg praktisch pleite. Voscherau selbst bekennt: „Die Zahlungsfähigkeit dieser Stadt ist vielleicht noch in dieser Legislaturperiode beendet.” Die Arbeitslosigkeit liegt weit über dem Bundesdurchschnitt. Rund 90 000 Hamburger haben keinen Job. Die Wirtschaftsstruktur ist veraltet, eine träge Bürokratie und eine komplizierte Verwaltungsstruktur verhindern bei vielversprechenden Ansiedlungsvorhaben schnelle Entscheidungen. Dennoch überlagert das Symbolproblem Hafenstraße alles andere. Hat die Hansestadt über acht Häusern am Hafenrand ihre politischen Maßstäbe ver loren? „In Harlem wurden die doch nur kicher über diese Häuserchen”, mokiert sich selbst ei Senator. Ein anderer begreift die ganze Aufregun über „diese paar Hanseln” am Hafen nicht. „Daß wir hier in irgendeiner Weise eine Herausforde rung des Staates hatten, vermag ich nicht festzustellen.” Henning Voscherau indes sieht diese Herausforderung sehr wohl. Der Bur germeister beklagt die „jederzeitige Vorführbarkeit der Ohnmacht des Rechtsstaats, der auf individuelle Beweise angewiesen ist, aber auf eine Strategie trifft, die Strafverfolgung de facto oft unmöglich macht”. Auf die Frage, wie lange er im Amt bleiben werde, sagte er in einem Zeitungsinterview „An dieser Entscheidung werden die Bewohnerinnen und Bewohner der Hafenstraße vielleicht einen größeren Anteil haben, als manche Leute glauben und vielleicht auch sie selbst glauben.”
Entscheidet also die Hafenstraße darüber, we in Hamburg regiert? Zumindest scheint Voschera dies zu glauben. Mit dem ungelösten Problem de alternativen Zwingburg will er 1991 nicht in de Wahlkampf gehen. Mit einem Befreiungsschlag Hafen, so mag er kalkulieren, hätten die Soziaide mokraten die absolute Mehrheit bei der nächste Bürgerschaftswahl in der Tasche. Beim liberale Koalitionspartner erkennt man für den „populisti schen Kurs” des Ersten Bürgermeisters drei Be weggründe: Voscherau wolle sich als „Macher profilieren; er sei bestrebt, der lendenlahme Hamburger CDU das letzte Wahlkampfthem wegzunehmen; und er möchte endgültig aus de Schatten Dohnanyis heraustreten.
Voscherau selbst hat solche Spekulationen einem Brief an die SPD-Führung genährt. Dari ließ er Parteichef Hans-Jochen Vogel und desse Stellvertreter wissen, daß er „den harten We nicht scheuen” werde. In diesem Falle benötige die „uneingeschränkte Unterstützung” der Spit zengenossen. Voscheraus Begründung für die vor sorgliche Bitte um Flankenschutz: „Meine Ein schätzung geht dahin, daß die Stadt sich di Tolerierung derartiger Zustände nicht mehr seh lange wird bieten lassen und daß mein Erfolg un derjenige des Koalitionssenats sich noch vor Ab lauf der Hamburger Wahlperiode daran entschei den wird, ob es gelingt, des Problems Herr werden.”
Nun täte man Henning Voscherau gewiß Un recht, wolke man ihm nur wahltaktische Uberle gungen unterstellen. Tatsächlich ist an der Hafen straße nach dem Abschluß des Pachtvertrage keine Ruhe eingekehrt. Ein Bericht der Justizbe hörde an den Bürgermeister zählte vom 22. November 1987 bis zum
eine Auskunft unter dieser Nummer: Vertreter der Bau-, Innen- und Justizbehörde verweisen dieser Tage gerne auf die Senatskanzlei, wenn nach rechtlichen Hintergründen zur Hafenstraße gefragt wird. Diese Stelle sei federführend, heißt es unisono. Zwar sind alle irgendwie beteiligt, doch niemand möchte sich Schiefer einziehen und noch mehr Verwirrung stiften. Die Angelegenheit ist heikel und so kompliziert, daß der Versuch ihrer Erläuterung leicht zu einem juristischen Oberseminar gerat.
Deshalb werden alle Maßnahmen, die die umstrittenen Objekte am Eibufer betreffen, in der Senatskanzlei koordiniert. Dort zerbricht sich Senatorin Elisabeth Kiausch als Gehilfin des Ersten Bürgermeisters den Kopf über die verzwickten Bestimmungen jenes Vertrages, dessen Unterzeichnung vor Jahresfrist als „Wunder von Hamburg” gefeiert wurde. Unlängst versuchte sie die städtische Lawaetz-Stiftung, die Eigentümerin der ehedem besetzten,
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Problem Hafenstraße — Oder: Wenn der Staat nicht weiter weiß / Von Matthias Naß
nicht weniger als 210 strafrechtliche Ermittlungsverfahren auf; nur in zehn Fällen konnten die Täter dingfest gemacht werden. Bis zu sechs Autoaufbrüche an einem einzigen Tag, Angriffe auf Funkstreifenbesatzungen, Touristen und Passarten; die Häuser als Fluchtburg, Schutz für Straftäter aus der Szene: Längst spricht die Hamburger Polizei von einem „System Hafenstraße”, in dem eine Strafverfolgung kaum noch möglich sei.
Doch nicht so sehr die Straftaten bereiten dem Senat Sorgen. Die gibt es uberall in der Stadt. Weit ernster genommen wird ihre Verknüpfung mit der politischen Militanz. Die „Mischung von Politstrategie einer kleinen in-group plus Instrumentalisierbarkeit einer größeren Wohnfraktion” macht für Voscherau die Situation am Hafen so brisant.
Für den CDU-Fraktionschef. Hartmut Perschau steht fest, daß die Hafenstraße „das logistische Zentrum vieler Gewaltaktionen in dieser Stadt darstellt”. Der Senat dürfe nicht immer nur den „rechtsfreien Raum” beklagen, er müsse die indviduelle Strafverfolgung auch durchsetzen. „Und wenn es bei dieser Strafverfolgung kollektiven Widerstand gegen die Staatsgewalt gibt, dann kann ich räumen.”
Räumen würde wohl am liebsten auch der Bürgermeister. Aber der Jurist Voscherau weiß natürlich um die rechtlichen Probleme, die dem nach Abschluß des Pachtvertrages mehr denn je entgegenstehen. Er wird sich hüten, sich bei den Gerichten eine Abfuhr zu holen. Dabei sieht der SPD-Bürgermeister die politische Herausforderung eher noch dramatischer als der CDU-Opjetzt vermieteten Häuser, zu einer Abmahnung an die Adresse der Bewohner zu bewegen. Allein, der Vorstand der Stiftung sah den Vertrag nicht verletzt und gab Frau Kiausch einen Korb. Selbst wenn sie mit der ersten „Rüge” durchgedrungen wäre, hätte es einer zweiten bedurft. Beide Abmahnungen müssen sich überdies auf ein- und dieselbe Sache beziehen. Wenn dann der Casus belli immer noch fortbesteht, kann der Pachtvertrag fristlos gekündigt werden. Die Lawaetz-Stiftung als Institution des bürgerlichen Rechts muß sich nicht an Weisungen des Senats halten. Bürgermeister Voscherau ist sie zu staatsfern, ihr Vorstand zu sanft und zu links; nun hat er die von der Stadt in die Stiftung entsandten öffentlichen Bediensteten ermahnt, den Verein Hafenstraße e.V., also den Pächter, erneut abzumahnen und ihn „nachdrücklich zur Erfüllung seiner Vertragspflicht” aufzufordern. Freilich gilt auch für den Verpächter der Grundsatz: pacta sunt servanda.
Obwohl die Bewohner das Paragraphenwerk als „Knebelvertrag” bezeichnen und Jens Waßmann, positionsführer. Für Voscherau hat sich um die Hafenstraße herum längst ein staatsfreier Raum gebildet: „Das Gewaltmonopol ist gebrochen; ich spreche nicht nur davon, daß die polizeiliche Arbeit behindert wird.”
Besonders zwei Vorfälle haben in Hamburg die Diskussion um die politisch motivierte Gewalt neu entfacht; Obwohl sie der Hafenstraße nicht beweiskräftig zugeordnet werden können, gefährden sie doch die Weiterexistenz des Wohnprojekts: Am 19. September 1988 veranstaltete die Friedrich-Ebert-Stiftung in der Hamburger Katholischen Akademie eine Podiumsdiskussion anläßlich der IWF-Tagung in West-Berlin. Plötzlich stürtmen 20 bis 30 schwarz Vermummte in den Saal. Mit Stangen schlugen sie auf Günter Grosche, den deutschen Exekutivdirektor beim IWF, ein, und übergössen ihn mit Tierblut. Prügel bezog auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Ingomar Hauchler. Noch bevor die fünf anwesenden Zivilbeamten der Polizei eingreifen konnten, verschwand das Rollkommando. „Wir vermuten, daß die Täter aus dem autonomen, antiimperialistischen Bereich kommen”, erklärte Innensenator Werner Hackmann hinterher.
Den Bürgermeister erinnert der Überfall auf die Katholische Akademie an SA-Methoden. ..Ich will in Hamburg keine Verhältnisse wie am Ende der Weimarer Republik”, erklärt Voscherau im Senat erregt. Doch er kann nichts unternehmen. Zwar melden sich im Rathaus zwei Zeugen, die beobachtet haben wollen, wie die Schlägertruppe in Richtung Hafenstraße abzog. Doch die Zeugen ein Ehepaar, das in der Szene wohnt — sind nicht bereit, ein gerichtsverwertbares Vernehmungsprotokoll aufnehmen zu lassen. Sie haben Angst.
Am 30. November debattierte die Bürgerschaft gerade über die „Neunte Novelle des Arbeitsför
Vertrackter Kontrakt
einer ihrer Anwälte, es mit der „Hausordnung einer Kadettenanstalt” vergleicht, fahren sie inzwischen nicht schlecht damit. Diejenigen, die bereits mit dem Verein Hafenstraße e.V. abgeschlossene Einzelmietverträge in der Tasche haben, können nicht über Nacht auf die Straße gesetzt werden. Diese Verträge fallen zwar weit hinter den Hamburger Mustervertrag zurück, doch sie geben auch Sicherheiten. Und bei allen Verstoßen gegen jene Paragraphen, die rechtmäßiges Verhalten der BeGrün-Alternativen Liste (GAL). Dort wurden schließlich von 49 Demonstranten die Personalien aufgenommen.
Der Hintergrund der Aktion im Rathaus: Zwei Tage zuvor hatte vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht ein Prozeß gegen den Diplomphysiker Fritz Storim begonnen. Die Anklage lautet auf „Unterstützung einer terroristischen Vereinigung”. Fritz Storim wohnt in der Hafenstraße. Dort haben die Bewohner nächtens neue Parolen auf eine Hauswand gepinselt: „Isolationshaft ist Folter in faschistischer Kontinuität”; „Unterstützen auch Sie eine revolutionäre Vereinigung”!
Nach dem Eklat im Plenarsaal erklärt die Bürgerschaftspräsidentin Helga Elstner (SPD), der Vorfall sei „einmalig seit 1945, so etwas hat es seit den Nazis nicht mehr in Hamburg gegeben”. Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Paul Busse fühlt sich „an 1933″ erinnert, „als die SA-Horden lärmend in die Hamburgische Bürgerschaft einzogen”.
Ingo von Münch, Zweiter Bürgermeister, findet den SA-Vergleich fatal: „Wer die Sache so hoch hängt, muß natürlich auch die große Haubitze auffahren.” Der Liberale befürchtet eine unheilvolle Eskalation zu einem Zeitpunkt, da in der Hafenstraße „endlich mal einigermaßen Ruhe” herrsche. Münch hofft noch immer auf einen Prozeß der Normalisierung und der Ausheilung. „Auf dieses zarte Pflänzchen, das so unendlich langsam wächst, mit dem Eisregen draufzugehen, halte ich für einen Fehler.”
Doch auf dem rechten Mehrheitsflügel der Sozialdemokraten wächst die Ungeduld. Die Forderung wird lauter, endlich müsse ein Exempel statuiert werden. Anarchisten, Autonome, Antiimperialisten und RAF-Sympathisanten dürften, so die Schreckensvision der Genossen, nicht in ganzen Hamburger Stadtteilen das Geschehen diktieren. Mußte der Senat nicht das Projekt eines Musical wohner fordern, trifft den Verpächter die Beweispflicht. Überdies ist der „Dohnanyi-Pakt” nicht für alle Hafenstraßler rechtsverbindlich: Einige Bewohner haben noch Mietverträge, die auf eine Vereinbarung zwischen der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Saga, der früheren Eigentümerin, und Besetzern im Jahre 1983 zurückgehen. Schließlich leben in zwei Gebäudeabschnitten noch Leute, die schon vor dem Hauserkampf dort wohnten, „Urmieter” also; ihre Häuser sind nicht Gegenstand des 87er-Kontraktes. Die Rechtspositionen des Senats sind bei alledem keinesfalls wasserdicht. Jahrelange Schlamperei in den Behörden droht nun zu jahrelangem mietrechtlichem Streit vor den Gerichten zu führen.
Deshalb suchen Hardliner der Hansestadt wie CDU-Oppositionsführer Hartmut Perschau nach polizeirechtlichen Alternativen, um den seit 1982 schwelenden Konflikt im Hauruck-Verfahren zu beenden. Seit 1966 gibt es ein Gesetz zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung (SOG), das in seinem Paragraphen 31 sogar die zeitweilige wird zur Verharmlosung der Lösungsaufgabe, die es in Hamburg gibt.”
Zumal bei den Sicherheitsbehörden herrscht die Überzeugung vor, die Hafenstraße sei ein Sonderfall, ein Symbol mit bundesweiter „Sogwirkung”. Dort, erklärt Christian Lochte, der Leiter des Hamburger Landesamtes für Verfassungsschutz, sei es in der Vorstellung von RAF-Anhängern und militanten Autonomen erstmals gelungen, sich in einer Großstadt ein „befreites Gebiet” zu erkämpfen. Deshalb habe es in der linken Gewaltszene während der vergangenen zwei Jahre auch „kein wichtigeres Thema” gegeben. Die „Politprofis” unter den Bewohnern wollten keinen Frieden, für sie sei die Hafenstraße „Instrument im politischen Kampf”.
Klaus von Dohnanyi sieht dies ganz anders. Er hat von den Analysen des Verfassungsschutzes nie viel gehalten. Schon vor einem Jahr hätten ihm die Sicherheitsfachleute gesagt, die Bewohner der Hafenstraße würden die Barrikaden nie abräumen „Sie taten es dann aber doch, weil ihnen der Pachtvertrag Sicherheit bot.”
Für den ehemaligen Bürgermeister handelt es sich bei der Hafenstraße um einen „relativ einfachen Vorgang”. Dort wohnten „gescheiterte Personen, denen Häuser zu einem Symbol geworden sind”, die im Kampf um die Häuser „plötzlich einen Sinn im Leben gefunden” hatten. „In diesen Kampf um die Häuser mischen sich natürlich politische Kräfte ein, die gibt es, die mögen irgendwo auch Berührungen mit Sympathisanten der RAF haben, das ist ganz unbestreitbar. Aber daß da Strategen sitzen, die den Staat vorführen wollen, halte ich für Quatsch, nachdrücklich für Quatsch.”
Der Kampf am Hafen geht ins achte Jahr. Er beherrscht die Schlagzeilen der Lokalpresse und zerrt an den Nerven der Politiker. Er schreckt die Wirtschaft ab und zieht die Touristen an. Die Polizei verlangt von der Politik klare Vorgaben, die Politik fordert von der Polizei Fahndungserfolge. Wie geht eine Millionenstadt mit einer Minderheit um, die auf die Ordnung des Staates und die Normen der Gesellschaft pfeift?
Niemand tut sich mit dem „Widerstandsnest” schwerer als die Sozialdemokraten. Der Riß geht mitten durch die Partei, zwischen denen, die „platt machen” wollen und jenen, die die Vertragslösung Dohnanyis für den einzigen Weg halten. Für viele Genossen sei der Konflikt deshalb so schwer auszuhalten, sagt die Landesvorsitzende Traute Müller, weil „die Gesellschaft, die auch von Bewohnern der Hafenstraße angegriffen wird, eine ist, die von Sozialdemokraten — besonders hier in Hamburg — mit aufgebaut wurde”.
SPD wächst die Zahl derjenis Vertragsmodell für gescheitert n Verteidigern des Dohnanyiind ins Gesicht. Nein, sie wohcht am Hafen, sei auch nicht , lautet die sarkastische Stanheftigsten attackierten Staatsrä-Für sie gehören die Hafenstragroßstädtischen Leben wie die der soziale Wohnungsbau mit Menschen”. Aber das gehe vienicht in den Kopf: „Sozialdeauch Kleinbürger — wir sind inbürger.”
tzt als Vertreterin der Sozialbeder Lawaetz-Stiftung. Aus ihntwicklung in der Hafenstraße Pachtvertrages ermutigend verch lobt sie die Selbstbeteiligung der Sanierung. Inzwischen seien bgeschlossen, werde für Strom, ordnungsgemäß gezahlt. Ein t” allerdings werde aus der Ha-Wilma Simon. Sie will weiter Lösung streiten. Viel Hoffnung , hat sie nicht mehr. h unbegründet. Klaus von den Pachtvertrag gegen den der SPD abgeschlossen. Ein nahm er seinen Hut. Die Eren Nachfolger Voscherau waren Partei das leidige Problem endchaffen. Noch einmal will die kampf nicht der Schlappheit vor en lassen. Und Voscherau hat sich mit forschen Reden („Ich neige nicht zum Weggucken!”) selbst unter Erfolgszwang gestellt. Aber mit Gewalt und über Nacht, das weiß der Jurist Voscherau, wird er die Hafenstraße nicht los. Dem Ziel der Räumung kann er sich nur Schritt um Schritt nähern. Im nächsten Jahr wird Hamburg den 800. Hafengeburtstag feiern. Da wurden die Stadtväter die Schmuddelkinder gern vorher aus dem Schaufenster nehmen. Doch die sitzen feixend auf ihren Mietverträgen. Die Idylle am Hafen wird es wohl nicht geben.
Einschränkung von Grundrechten vorsieht. Werde dieses Gesetz konsequent angewandt, meint Perschau offenbar, hätte man die „Chaoten” bald vom Halse: Die Hafenstraße randaliert, die Polizei stürmt, holt die Leute raus, ein Bautrupp macht die Häuser „platt”.
So einfach ist das allerdings nicht. Das SOG dient allein der Abwehr gegenwärtiger Gefahren. Sind diese durch den Polizeieinsatz beseitigt, tritt wieder der mietrechtliche Normalzustand ein und das SOG außer Kraft. Für Innensenator Werner Hackmann, den obersten Dienstherrn der Polizei, ist das Sondergesetz ein untaugliches Mittel zur Lösung der Probleme. Und Voscherau, der Chef des Innensenators, zitierte unlängst Rainer Blohm, den Anwalt der Hafenstraße, der da sagte: „Ich denke, daß er (Voscherau, d. Red.) als guter Jurist weiß, daß im Moment eine Räumung nicht möglich ist, ohne daß die Stadt dabei geltendes Recht verletzt.” — „Und da hat er gegenwärtig recht”, fügte der Bürgermeister hinzu.
DIE ZEIT, 1988
Die Hamburger Hafenstraße
PRODUKT UND OBJEKT STAATLICHEN ORDNUNGSFANATISMUS
Fast so bekannt wie die “sündigste Meile der Welt” wurde in den letzten Monaten die Hafenstraße in St.Pauli. Nicht wegen des Amüsements, sondern wegen “Chaos” und “Gewalt”, die sich dort in einer Reihe von heruntergekommenen Altbauten eingenistet haben sollen. Ein einziger Sumpf, der nach Meinung aller wehrhaften Demokraten nichts als rücksichtloses Aufräumen verdient.
Dabei stört es die Fans der staatlichen Gewalt von “Bild” bis “Tagesthemen” wenig, daß sie gar nicht so recht anführen können, worin eigentlich die Behausung von ein paar Bruchbuden irgendjemandem in seiner “Ruhe und Ordnung” in die Quere käme: Ganz offensichtlich wollen erst einmal die Bewohner der Hafenstraße in Ruhe gelassen werden. Und kaum jemandem will auffallen, wie eindrucksvoll die regelmäßigen Einsätze von Polizeihundertschaften i n der Hafenstraße die oft bemühte Lüge ad absurdum führen, hier reagiere die Staatsmacht auf ein gefährliches “Gewaltpotential”.
Häuserkampf in Hamburg – Keine 24 Stunden
Als die damalige “Bewegung” der Hausbesetzungen auch über Berlin hinaus Nachahmung fand, vrkündete Hamburgs Innensenator Pawelczyk: ‚In Hamburg bleibt kein Haus länger als 24 Stunden besetzt.’
Gemäß dieser ‚Hamburger Linie’ wurde von Polizei und MEK-Kommandos kompromißlos ‚gehandelt’. Sämtliche darauf folgenden Polizeieinsätze sollten ausdrücklich nicht nur als ‚bloße’ Wiederherstellung des gestörten ‚Rechtsfriedens’ verstanden werden, also nicht ‚bloß’ als Schutz des Privateigentums vor einem Mißbrauch – das Grundeigentum ist eben keine Einrichtung zur Versorgung der obdachlosen Menschheit mit gemütlichem Wohnraum, sondern macht das Dach über dem Kopf zum mietzinsträchtigen Geschäftsobjekt. Mit dem publikumswirksamen Kampftitel ‚Wehret den Anfängen!’ offerierte der Polizeisenator der Hamburger Öffentlichkeit den Einsatz der Gewalt als die entschlossene Einlösung des Versprechens, im Umgang mit Hausbesetzern einzig und allein dem politischen Beschluß zu folgen, diese erst gar nicht dulden zu wollen. Egal, ob sich ein Hausbesitzer in seinen Spekulationsinteressen gerade akut tangiert sah, also den Antrag auf Räumung stellte – Pawelczyk ließ räumen, postierte des öfteren seine Einsatzkommandos bereits vor dem Eintreffen der Hausbesetzer vor Ort und demonstrierte so, daß der SPD-Senat Hausbesetzungen als eine skandalöse Herausforderung an die unumschränkte Geltung des staatlichen Gewaltmonopols ansah.
Rechtsstaatliche Befriedung
Gemessen an diesem Maßstab wurde die Besetzung in der Hafenstraße von der sozialdemokratischen Regierung als unbedingt zu korrigierendes Versäumnis betrachtet. Was war geschehen? Mehr oder weniger unbemerkt, jedenfalls unbeobachtet, hatten Jugendliche acht Häuser in der Hafenstrabe bezogen, die bis dahin von Obdachlosen frequentiert wurden und aufgrund diverser Spekulationskalküle – von Bürogebäuden für Tschibo und Gruner und Jahr bis hin zum Umbau der Hafenrandgebiete zur Repräsentation des Reichtums der Handelsstadt Hamburg – zweckmäßig verfielen. Die Verwaltung dieses prächtigen Stücks Eigentum, die stadteigene SAGA (Siedlungs-Aktiengesellschaft), hatte einige Räume an die Sozialpädagogische Forschungsgesellschaft (SOFO) vermietet, die mit einigen der Eingezogenen Untermietverträge abschloß. Die Bewohner, die im Lauf der Zeit einigen Zulauf aus der Szene und aus dem jugendlichen Arbeitslosenheer erhalten hatten, erklärten später die Häuser für ‚besetzt’ und machten sich fleißig ans Renovieren. Der ‚rechtsfreie Raum’ Hafenstraße wurde von Kot und Abfall freigeschippt.
Ende 1982 sah die SAGA in den Hausbesetzungen ein ‚Problem’, nachdem sich der Senat zum Bau eines weltstädtischen Viertels am Hafen entschlossen und die Baubehörde einen entsprechenden Bebauungsplan ausgeschrieben hatte. Mit den Besetzern wurden Verhandlungen eingeleitet, die als Hintergrund die Drohung mit dem umstandslosen Wegräumen hatten. Da im “Sanierungsplan” jedoch eine frühzeitige Verwendung der Gebäude im SAGA-Sinne nicht vorgesehen war, war die Gesellschaft erst einmal gewillt, die “Besetzer” als Mieter einzusetzen; freilich mit der erklärten Absicht, daß sie sich zum gewünschten Zeitpunkt selbst herausräumten. Entsprechend waren die Verträge abgefaßt: Die sogenannten “Sechserhäuser”, deren Abriß feststand, wurden befristet bis zum 31.12.86 vermietet, was schon einmal den Willen der SAGA rechtlich dokumentierte, aus dem Krempel eines nicht zu machen: Wohnraum. Die SAGA sprach sich von jedem Anspruch auf Instandsetzung frei, auf welche umgekehrt die Mieter sich verpflichten zu lassen hatten. Die Mittel hierfür konnten sie sich von irgendwelchen Spendern besorgen. Das Ganze gab’s zu Mietpreis symbolischer Art. An der Vorläufigkeit dieser Mietverhältnisse ließ die SAGA nie einen Zweifel, rechnete andererseits aber realistischerweise damit, daß die Bewohner – wenn es mal so weit sein würde nicht freiwillig mit Sack und Pack verschwinden würden. Also wurden die entsprechenden Vorkehrungen ins Werk gesetzt. Da für den Abriß der Nachweis der “Unbewohnbarkeit wegen baulicher Mängel” vonnöten ist, wurden die Bewohner ordentlich in Atem gehalten: Querelen um die Aufstellung von Gerüsten, Stromabsperrung durch die HEW – was die Hafensträßler zur Selbstversorgung mit dem Generator “Gorbatschow” nötigte -, routinemäßige Polizeikontrollen und Einsätze aller Art – schlußendlich die förmliche und termingerechte Begehung 1985, die doch tatsächlich nicht umhin kam, die “Unbewohnbarkeit” feststellen zu müssen. Dem Sprecher der Baubehörde war das schon immer klar gewesen:
“Der Senat hat die Hafenstraße nie als alternatives Modell betrachtet. Es war immer klar: Das ist Übergangsnutzung, das geht weg.” (Müller-Landre)
Es trat jedoch ein kleines rechtsstaatliches Problem auf, da gegen einige Teilräumungen (November/Dezember) erfolgreich Rechtsmittel eingelegt worden waren, so daß die Räumung erst einmal ins Stocken kam. Mit der sensationellen Neuigkeit, daß ihm die Rechtsprechung die Durchführung seines gewaltsamen Vorhabens untersagen würde, rechnete auch der Hamburger Senat nicht; ihm waren jedoch einfach die rechtlichen Umständlichkeiten und deren förmliche Abwicklung zu umständlich, weswegen er sich daran machte, die Grundlage des rechtlichen Herangehens neu zu definieren. Die von Herrn Müller-Landre erwähnte Lüge vom “alternativen Modell”, die ja mal im Schwange gewesen und vom Senat zumindest geduldet worden war, wurde kurzerhand durch die Beschwörung einer “kriminellen Szene” ersetzt. So schwer war das nicht, da sich die Stadt mit ihren ganzen vorbereitenden Maßnahmen zur Räumung schon entsprechendes Anschauungsmaterial geschaffen hatte. Es bedurfte also nur eines weiteren Ausbaus des Szenarios von “Chaos” und “Gewalt”; je schlagender sich hierdurch das Recht herausgefordert fühlen durfte, um so beruhigender auch die Gewißheit, daß sich die hiergegen noch einzulegenden Rechtsmittel sehr rasch erschöpfen würden. Schlicht und einfach: In einem “Ghetto”, mit all seinen “sozial unverträglichen” Begleiterscheinungen, muß mit fester Hand Ordnung geschaffen werden. Es bedurfte nur noch des kleinen Übergangs, das (staatlicherseits produzierte) “Ghetto” den kranken Hirnen der darin Wohnenden entspringen zu lassen.
Auch eine Terrorismusdefinition
Dem Chef des Hamburger Verfassungsschutzes, Herrn Lochte, der bis dahin den Bewohnern der Hafenstraße den Charakter eines ‚Lumpenproletariats im Leninschen Sinne’ attestiert hatte, gab die Autorität seines Amtes die ‚Erkenntnis’ ein, er habe ein ‚Umfeld der RAF’ entdeckt, das es sich in der Hafenstraße wohnlich gemacht haben soll:
“Hier sollen sich nach Erkenntnissen der Sicherheitskräfte seit Sommer dieses Jahres auch zwei Frauen aufhalten, die zum Umfeld der RAF zählen. Ihr Auftrag: Neue Mitglieder aus der Anarcho-Siene für die Rote Armee Fraktion zu werben und gewaltsame Aktionen zu unterstützen.” (Morgenpost, 4.10.85)“Allerdings schränkte Lochte seine Befürchtungen für den eigenen Tätigkeitsbereich ein, ‚wenn wir feststellen, daß die RAF-Leute sich aus der Hafenstraße wieder zurückziehen, weil die Bewohner nicht für den Terrorismus zu gewinnen sind, dann würden wir das auch öffentlich feststellen.’” (taz)
Hier plaudert nicht ein Dilettant seine ‚Erkenntnisse’ aus, sondern gibt einer mit der Autorität des oberinformierten Geheimdienstlers der Öffentlichkeit die Sprachregelung bekannt, die nun und endgültig für die Hafenstraße zu gelten hat. Und der “Spiegel” schiebt die Aufklärung nach, daß sozialstaatlicher Ausschuß im Sinne Lochtes und Staatsfeindschaft letztlich ohnehin dasselbe sind:
“Alkohol und Drogen haben etliche längst der Realität entrückt, Kleinkriminalität wirft zwar ein paar Mark für das Allernotwendigste ab, wird aber auch als bewußter Ausdruck von Staatsfeindlichkeit praktiziert. Der ‚Kampf gegen das System’ ist vielen inzwischen zum Lebensinhalt geworden.”
Absichtsvoll wird der sozialstaatliche Rassismus vom unnützen Leben mit dem staatlichen Verdikt des Terrorismus ineinsgesetzt. Wer sich der ‚Realität’ entrückt, indem er sich für sie nicht tauglich macht oder zumindest nicht den Willen an sich dokumentiert, sich für die geltenden Zwecke tauglich zu halten, ist Staatsfeind, weil und sofern er Aussteigertum als Lebensstil betreibt. Und wenn die Hafensträßler sich des ganz bürgerlichen Mittels eines Rechtsstreits mit der SAGA und dem Senat befleißigen, dann wittert das bürgerliche, an der Terrorismushetze geschulte Rechtsempfinden darin nur eine besonders ausgekochte Irreführung der Öffentlichkeit. Durchsuchungen der Polizei fördern stets das gewünschte “gewalttätige Material” zutage, das dann in Form von “Werkzeugen” und “Piratensendern” auf Pressekonferenzen präsentiert wird. Nächtliches Fotografieren mit Blitzlicht gilt in der Hafenstraße als “Gefährdung des Straßenverkehrs” und führt zum Großeinsätz von mehreren Polizeihundertschaften. Der “Spiegel” hat es gleich gewußt, daß Gesindel, kaum daß man ihm den kleinen Finger reicht und es mit spottbilligen Wohnungen verhätschelt -
“Für einen Quadratmeterpreis zwischen zwanzig Pfennig und einer Mark netto dürfen die Autonomen wahrhaft autonom umgehen – beliebig Untermieter aufnehmen, deren Namen sie der SaGa nicht mal bekanntgeben müssen.” -,
nicht nur zur Zusammenrottung und unkontrollierten Vermehrung (Untermieter!) neigt, sondern sein abartiges Treiben auch noch festungsmäßig absichert und als Stachel ins gesunde bürgerliche Leben senkt:
“Bei dem Skandalon Hafenstraße steht mehr auf dem Spiel als das polizeitaktische Problem, wie sich eine Fluchtburg für Kriminelle möglichst sauber schleifen läßt.”
Diese gepflegte Hetze liegt völlig richtig im Stimmungsbild dieser Republik. Ein ordentlicher Staatsbürgerverstand entdeckt in den Zwecken der Staatsgewalt, die hier so anspruchsvoll den Einsatz der Gewalt verlangen, nie ein “Skandalon”, ganz selbstverständlich überläßt er das unter dem Titel “Taktik” dem Sachverstand der Polizei. So ist die Hafenstraße in der Tat zu dem Synonym für eine Störquelle geworden, welche unbedingt ausgeschältet werden muß. Hausbesetzer, Drogenszene, Demonstranten, Sympathisanten der RAF: Alles eine einzige Brutstätte und ein einziger Anschlag auf unsere gute Volksgemeinschaft. Eine Demonstration am letzten verkaufsoffenen Samstag vor Weihnachten kam gerade recht. Die öffentliche Hetze klopfte sich sozusagen selbst(zufrieden) auf die Schulter: Man hat es ja schon immer gewußt “diese Leute wollen den Bürgerkrieg”. Wenn dann noch ein paar Brandsätze hochgehen – bedarf es da noch weiterer Beweise?
Friedliche Kapitulation – ein Angebot des Sozialstaats
Es liegt ganz in der Freiheit des Staates, im Rahme dieser Stimmungsmache auch mal ganz “konziliant” aufzutreten; er bestimmt ja über die Alternativen des Abräumens: Ausräuchern mit Hilfe der Polizei oder Ausräuchern mit Hilfe einer sachgemäßen Anwendung des Elends. Die sozialstaatliche Verwaltung der durch die Räumung radikalisierten Armut – ein Großteil der Hafensträßler ist Sozialhilfeempfänger – kommt, zynisch genug, in der Offerte eines sozialen Gnadenaktes daher:
“Obwohl wir im Unfrieden miteinander sind – die gerichtlichen Auseinandersetzungen belegen das -; wollen wir die Maßnahmen sozial abfedern. Das heißt, die Betroffenen werden so behandelt, als würde es sich um Räumungen in einem förmlich festgelegten Sanierungsgebiet handeln. Sie bekommen damit die Berechtigung für eine Sozialwohnung.” (Jan Ehlers)
Dabei verschweigt Jan Ehlers nicht, daß diese “Berechtigung” diesen Leuten ganz und gar nichts nützt: Die Sanierung der Hafenstraße gemäß dem “Standard des sozialen Wohnungsbaus” jedenfalls hätte die
“Folge, daß die jetzigen Bewohner sich die Rückkehr einfach nicht mehr leisten könnten.”
Das Angebot an die “gewaltlosen und den Rechtsstaat respektierenden Gruppen”; “für sich selbst billigen Wohnraum zu erhalten oder zu schaffen”, ist der Sache nach das Angebot, der Räumung zuzustimmen (“friedfertige Lösung”) und sich dankbar, “ohne Sozialromantik”, in den Slums einzuhausen, wo einen das Sozialamt hinschickt. “Individualisiert” natürlich, um der “Brutstätten”-Bildung vorzubeugen. Der Staat bietet die “Betreuung” der’ Elendskarrieren an, die durch sein Wirken zustandekommen. Auf praktische Wirkung bzw. Einwilligung der Betroffenen kommt es dabei weniger an. Wichtiger ist der gelungene wahlkämpferische Zungenschlag: Elegante Problemlösungsstrategen bieten elegante “Lösungen” der von ihnen aufgeworfenen “Probleme” an. Ein staatsmännisch darüberstehender von Dohnanyi benutzt die Gelegenheit und die Hafensträßler, sein aristokratisches Abschaumqualifizierungsvermögen unter Beweis zu stellen – “Die Kreativität von Slums finde ich wenig erstrebenswert.” (Die Zeit, 26.12.86) -, und zumindest die links-kritische Öffentlichkeit ist entzückt ob so viel liberaler Gesinnung. Ehlers fängt sich das Lob ein, ein Minister “jenseits von law and order” zu sein (Hamburger Abendblatt). Schnell besänftigt sich das soziale Gemüt, welches der Auffassung ist, daß sich eine so “weltoffene und reiche” Stadt wie Hamburg doch ein bißchen Armenhaus-”Kultur” leisten können muß.
Die Hafenstraße – und ihre Freunde
“Wenn sie uns räumen, – holen wir die Russen.” (Mauerparole in der Hafenstraße)
Das “links-grüne Spektrum” Hamburgs hatte zur Hafenstraße von Anfang an ein zwiespältiges Verhältnis, wofür es sich das Problem zulegte, ob die “Hafenstraße” überhaupt ein “linkes Projekt” sei.
“Die Hafenstraße ist für sich nichts, was dem links-grünen Spektrum Möglichkeiten zur Identifizierung bietet. Unsere Unterstützung ist in dem Sinne abstrakt, als wir Eure Aktionen nicht billigen, aber wissen, daß Ihr vom Senat verfolgt werdet und es damit gemeinsam gegen Pawelczyk geht. … Man muß Leute anders agitieren, z.B. als Mieter ansprechen oder Unterschriften sammeln gegen die Zerstörung der Stadtteilkultur.” (GAL-Eimsbüttel auf einer Solidaritätsveranstaltung zur Hafenstraße)
Ganz ersichtlich fehlt den Solidaritätsfans der linken Szene, die sonst Opfersein wie Gegenwehr gern in dem großen Topf “Betroffenheit” vermanschen, in diesem Fall der “Anknüpfungspunkt”. Vermißt wird das Herumreiten auf moralisch anerkannten Titeln wie “Wohnungsnot” und “Stadtteilkultur”. Und mit Aktionen, welche mit einem Besserungswillen gegenüber “gesellschaftlichen Mißständen” nicht so recht zu verwechseln sind, “können” sie sich nicht “identifizieren”. Weit und breit kein vorzeigbares alternativ-fleißiges Arbeitskollektiv, auch keine Mitarbeit in “Mieterinis”, unabwendbar also der Befund, daß hier kein “Ansatz” vorliegt, mit dem sich die eigene linke Moral und ihre Konstruktivität vereinnahmend schmücken läßt. Das “links-grüne Spektrum” plagt die Furcht, mit den “Opfern der Senatsverfolgung” ineinsgesetzt zu werden, was ihre edlen, gemeinnützigen Motive beschädigen könnte. Eine jahrelang zurückliegende Vergewaltigung darf immer wieder für linksfeministische Distanz herhalten. Restlos hört sich der Spaß auf, wenn die Randale der Hafensträßler Wellen in die “taz”-Redaktionsräume schlägt wie nach der Veröffentlichung des Hetzinterviews von Lochte: Diesen Leuten fehlt ja der opportunistisch-berechnende Umgang mit kritischer Öffentlichkeit, deren Anteilnahme man sich schließlich verdienen muß. Das Bedürfnis, Demokratie und Polizeieinsätze für eigentlich unverträglich anzusehen und im Namen des eigenen Ideals von Demokratie Beschwerde gegen Pawelczyk einzulegen, kann seine ganze moralische Wucht so recht nicht entfalten, wenn die eigene Sache von Staats wegen mit dem Gewaltverdacht belegt ist. So kommt in Hamburg die Absurdität zustande, daß man für die Hafenstraße und deren “Erhalt” am liebsten ohne die Klientel und ihren Anhang demonstrieren will, welche man der Unterminierung des Demonstrationszwecks verdächtigt. Auch eine Weise, wie man die von oben durchgesetzte Sortierung von friedlich und gewalttätig von unten nachvoilzieht und dem inkriminierten “Polizeiterror” ein ganz klein bißchen Verständnis entgegenbringt.
Es waren hartgesottene Sozialarbeiter, wie der ehemalige GAL-Fraktionsvorsitzende Michael Herrmann und der elendgewohnte Kiezpfarrer Christian Arndt, die ein Interesse an die Hafenstraße herantrugen – das der “Integration”. Mit dem Argument, “Herbert Wehner war auch einmal ein Anarchist” wurde der Mangel an staatsbürgerlicher Tugend zum fehlgeleiteten jugendlichen Irrtum umgedeutet zugleich hat man sich damit als wesentlich unvoreingenommener als der Sozialstaat vertrauensvoll sozialbetreuerisch in Szene gesetzt.
“Wenn man nicht versucht, sie zu integrieren, überläßt man sie der Willkür der Polizei und des Staatsschutzes. Wenn wir Grüne uns da nicht engagieren, gehen die alle ab – in die Knäste oder in die Psychiatrie.” (Die Zeit)
Keine Frage, in was da integriert wird oder werden soll. Die Jugendlichen sollen sich zusammenreißen, also an Gesetz und Recht halten, so daß der Staat sie nicht in seine geschlossenen Anstalten “ausgrenzen” “muß”. Auf schönste Weise stellen diese “Streetworker” klar, daß sie sich die Entstehung von “abweichendem Verhalten” auch nur aus allzu rabiater Anwendung von Sozialhygiene erklären können. Sie trauen sich zu, diese “Fehlgeleiteten” in nützliche Mitglieder der Gesellschaft zurückzukuscheln.
Prominente wie Heinrich Albertz und Dorothee Sölle haben sich in Form von ganzseitigen Zeitungsanzeigen ebenfalls engagiert – für den Erhalt “dieses Stücks unbequemer Gegenkultur”. Auch “diesen Menschen” gebühre eine Heimstatt, ein selbstgeschaffenes Ghetto also, Hafenstraße genannt. Das Bedürfnis nach einer “toleranten” BRD, die Heimat auch denen gewährt, die sie ohnehin nicht abschieben kann und will, wächst um so mehr, je abgebrühter und zynischer der Rechtsstaat Slumschaffung und Slumbereinigung praktiziert. Angesichts von Armut, Wohnungsnot und dergleichen können diese Chefmoralisten dem (Sozial-)Staat den Vorwurf nicht ersparen, sich unverständig seinen eigenen Wirkungen gegenüber aufzuführen. Dabei sind ihnen nicht einmal mehr diese Wirkungen ein Dorn im Auge; vielmehr können sie gar nicht verstehen, warum sich nicht auch solche “Erscheinungen” in unser Gemeinwesen locker einbauen und würdigen lassen. Hat denn jemand Geld verlangt? Nein – behauptet frech ein Cohn-Bendit: Da haben sich doch nur lauter “Kaputtnixe” zusammengefunden, “die sich mit wenig Geld über Wasser halten”. Und das muß man doch wollen dürfen – in aller Freiheit. Diese Verwandlung aufgeherrschter Lebensnotwendigkeiten in Freiheiten ihrer Bewältigung hat – heute den klingenden Namen “Gegenkultur”.
SOURCE
Hamburger Hafenstraße
Symbol für den Häuserkampf
Hausbesetzungen, Straßenschlachten, Regierungskrisen: Die kämpferischen Bewohner der Hamburger Hafenstraße standen jahrelang im Blickpunkt der Nation. Erst nach zwölfjähriger Besetzungszeit konnte der Streit befriedet werden.
Straßenschlachten, brennende Barrikaden, Regierungskrisen und endlose gerichtliche Auseinandersetzungen machten die Hamburger Hafenstraße in den 80er und 90er Jahren zu einem Symbol für den Häuserkampf in Deutschland. “Die Hafenstraße war ein Jahrzehnt lang eine Wunde in der Stadt”, erinnert sich der damalige Hamburger Bürgermeister, Klaus von Dohnanyi (SPD).
Es fing 1981 an mit der Besetzung maroder Altbauten am Hafenrand im Stadtteil St. Pauli. Ein jahrelanger Kampf gegen Abriss und Räumung begann. Bis Herbst 1986 gab es immer wieder Krawalle rund um die Häuser. Im November 1987 sollte ein “Verein Hafenstraße” als juristischer Partner mit dem Senat einen Pachtvertrag abschließen. Nach mehreren gescheiterten Schlichtungsversuchen wurde der Straßenzug zur Festung ausgebaut. Dohnanyi stellte ein Ultimatum für den Abbau von Barrikaden innerhalb von 24 Stunden und band seine politische Zukunft an die Durchsetzung der Verträge.
“Die Barrikaden sind weg”
Rund 5000 Polizisten standen bereit zum Sturm auf die Gebäude. “Es war eine gefährliche Situation, tragische Unfälle waren nicht auszuschließen, die Auseinandersetzung hätte sogar Leben kosten können”, erinnert sich der SPD-Politiker. Kurz vor Ende der Frist sei dann die Nachricht ins Rathaus gekommen: “Sie haben es gemacht, die Barrikaden sind weg.” Dass Dohnanyi ein halbes Jahr später das Handtuch warf, habe nichts mit neuen schweren Krawallen um die Hafenstraße zu tun gehabt: “Ich wollte sowieso zurücktreten.”
Erst Mitte der 90er Jahre wurde es ruhiger. Stadtrundfahrtbusse hielten zwar noch zum Fotostopp vor den Häusern mit den markanten bunten Fassaden, die Aufnahmen hatten aber nichts mehr zu tun mit den Bildern, die die Besucher der Hansestadt einst auf ihren heimischen Fernsehschirmen gesehen haben. Im Dezember 1995 spricht sich der Senat für den Verkauf der zwölf Häuser für rund zwei Millionen Mark an die Genossenschaft “Alternativen am Elbufer” aus. Im Juni 1996 besiegeln Vertreter von Stadt und Genossenschaft den Vertrag.
Ruhe am Hafenrand
Seitdem ist es ruhig geworden am Hafenrand, die Genossenschaft verwaltet die Häuser in aller Stille. Laut wird es nur noch wegen der umfangreichen Baumaßnahmen. Acht der Altbauten sind komplett saniert, zwei weitere Häuser zu etwa zwei Dritteln. Bis Frühjahr 2005 soll auch der letzte Bau saniert sein. Von den Gesamtkosten von mehr als 9 Millionen Euro steuert die Behörde 3,85 Millionen bei. Die Genossenschaft bringt 1,3 Millionen auf. Die komplette “Innendekoration” erledigen die Bewohner selbst auf eigene Kosten.
Mitte der 80er Jahre lebten laut Dohnanyi in der Hafenstraße “hauptsächlich spät geborene 68er, die meinten, ihre Vorstellungen von Freiheit und Recht dort verwirklichen zu müssen”. Nun sind es etwa 120 Menschen aller Altersstufen – “vom Kleinkind bis zur 90-Jährigen”, sagt Helma Krstanoski von der Baubehörde.
Bunte Fensterrahmen statt Solidaritätsparolen
“Es gibt viele Kinder, nur noch wenige größere Wohngemeinschaften und Probleme wie in jedem Mietshaus, in dem gebaut wird”, berichtet ein Sprecher der Bewohner. Diese würden immer noch im Gesamtplenum besprochen. Die “Hafenstraßler” haben laut Behörde in der Regel ein geringes Einkommen. “Die Fluktuation der Mieterschaft ist eher gering”, sagt Krstanoski. Wo einst Solidaritätsparolen für den “bewaffneten Kampf” in Kurdistan oder Mittelamerika an die Fassade gemalt wurden, wird heute allenfalls der Fensterrahmen bunt gestrichen.
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Hells Angels tried to kill Jagger: FBI
Hells Angels tried to kill Jagger: FBI
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Rolling Stones frontman Mick Jagger only survived an assassination attempt by Hells Angels members nearly 40 years ago because a boat carrying his would-be killers was swamped in a storm.
The details of a plot to kill the British rocker were revealed by an FBI agent as part of a series, The FBI at 100, which is to be aired on BBC Radio tonight.
Tom Mangold, who presents the series, told Britain’s Sunday Telegraph newspaper that Jagger fell out with the Hells Angels after a member of the notorious gang killed a fan during the band’s infamous free concert at Altamont in 1969.
The Stones had hired the local chapter to provide security for the poorly planned concert near San Francisco.
The bikers terrorised the crowd and were offended by Jagger’s effeminate dancing.
One of them stabbed 18-year-old Meredith Hunter to death in front of the stage.
The chaos was immortalised in the documentary Gimme Shelter.
The Hells Angels felt they had been duped by Jagger as fingers were pointed in the aftermath of the concert.
Former special agent Mark Young, who was interviewed for the BBC series, said a boatload of Hells Angels set out to take revenge on Jagger at his holiday home in the Hamptons, near New York City.
“The Hells Angels were so angered by Jagger’s treatment of them that they decided to kill him,” Mr Mangold told the newspaper.
“They planned the attack from the sea so they could enter his property from the garden and avoid security at the front.
“The boat was hit by a storm and all of the men were thrown overboard. All survived and there was not said to have been any further attempt on Jagger’s life.”
Alan Passaro was arrested and tried for Hunter’s murder in 1972.
He was acquitted after a jury concluded that he had acted in self-defence because Hunter was carrying a handgun.
Passaro later drowned in an accident.
- Reuters







