Filed under: "A culture of laxity", 80s, 9/11, 9/11, Aleister Crowley, CIA, Chip, Christanity, Christi, A List of Masons in The Hierarchy of the Catholic Churc, big brother, big money!, bilder, important | Tags: atheist, chipping, code, computer, Den Code des Hirns entschlüsseln, geheimclub, hirn, Life, News, obama, Politics, RFID, Science, vatican
Als eines von 80 Mitgliedern der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften berät der Frankfurter Hirnforscher Wolf Singer den Vatikan – ein Job auf Lebenszeit
DIE ZEIT: Sie sitzen als rational denkender Wissenschaftler in der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften. Ist das kein Widerspruch?
Wolf Singer: Die Akademie ist ja kein religiöses Gremium, da sind Menschen mit unterschiedlichsten Ansichten vertreten – Agnostiker, gläubige Christen, Skeptiker. Die 80 Akademie-Mitglieder werden zwar vom Papst auf Lebenszeit ernannt, aber von den Fachwissenschaftlern vorgeschlagen, also nach wissenschaftlichen Kriterien ausgewählt. Im Vatikan führt die Akademie ein relativ autonomes Dasein. Aus der Akademie kenne ich auch den früheren Kardinal Ratzinger, der vor wenigen Jahren Mitglied der Akademie wurde und aus derselben Gegend kommt wie ich.
ZEIT: Welche Aufgaben hat die Akademie?
Singer: Sie soll den Papst und den Vatikan in wissenschaftlichen Fragen beraten; darüber hinaus soll sie wissenschaftliche Arbeit leisten und Forschung fördern. Es gibt einmal im Jahr ein Treffen aller Mitglieder, daneben finden thematisch zentrierte Workshops statt – etwa zur Fortpflanzungsmedizin, zu ethischen Fragen am Beginn und Ende des Lebens, zur Kosmologie oder zur Bildung. In die Amtszeit des letzten Papstes fielen zwei wichtige Entscheidungen: 1992 hat Johannes Paul II. Galileo Galilei rehabilitiert; 1996 akzeptierte er offiziell die Evolutionstheorie…
ZEIT: …die die Kirche lange abgelehnt hatte.
Singer: Johannes Paul II. erklärte damals anlässlich einer Akademie-Tagung, Darwins Lehre sei durchaus mit dem christlichen Glauben vereinbar. Auch wenn der menschliche Körper seine Existenz der biologischen Evolution verdankt, beseelt wurde er unmittelbar von Gott.
ZEIT: Dieser Dualismus muss doch für Sie als Hirnforscher höchst befremdlich sein.
Singer: Er ist als Theorie schwer zu widerlegen. Die Kurie sagt bei Konflikten zwischen dem wissenschaftlichen und dem religiösen Weltbild: Wir haben zwei Wissensquellen – zum einen die menschliche Vernunft, zum anderen die Offenbarung. Und da die Wissenschaft stets nur begrenzte Einsicht liefert, hat die Offenbarung das Primat.
ZEIT: Dass die menschliche Vernunft begrenzt ist, belegt ja auch die Hirnforschung.
Singer: Sicher, alles Wissbare hat Grenzen. Die Wissenschaft erklärt die Welt nie vollständig. Das fängt schon beim Urknall an – was war davor?
ZEIT: Wie halten Sie diese Unvollständigkeit des wissenschaftlichen Weltbildes aus?
Singer: Ich lebe mit der Gewissheit, dass das, was sich uns erschließt, nur ein Teil von etwas Größerem, nicht Erfassbarem sein kann. Ich muss mir das aber nicht konkret ausmalen. Ich kann daraus auch keine allgemeinen Maximen für das Verhalten ableiten – außer vielleicht die Bescheidenheit, dass wir alle nur über begrenzte Einsicht verfügen. Die Kirche dagegen füllt dieses Unbekannte mit Geschichten aus – die, wenn sich die Wissenschaft weiter entwickelt, manchmal auch wieder geändert werden müssen. Daher rate ich den Kirchenvertretern immer: Bleibt beim Abstrakten.
ZEIT: Woher kommt diese menschliche Tendenz zum ständigen Geschichten-Erfinden?
Singer: Wir sind aufgrund des Soseins unseres Gehirns darauf festgelegt, Ursachen für Phänomene zu suchen. Nun gibt es viele Wirkungen in der Welt, deren Ursachen wir nicht ergründen können. Da liegt es nahe, sie einem höheren Wesen zuzuschreiben. Das erlaubt eine weitere hochwirksame Projektion: Verhaltensweisen, die sich in der Erfahrung als sinnvoll herausgestellt haben (Nicht töten, lügen, stehlen!), kann man als Verordnung einer höheren Instanz deklarieren. Dadurch entzieht man sie sozusagen der menschlichen Verfügbarkeit.
ZEIT: Stimmt also Voltaires Argument: »Wenn es Gott nicht gäbe, müsste man ihn erfinden«? Brauchen wir die Religion allein schon ihrer positiven gesellschaftlichen Wirkungen wegen?
Singer: Erstens kann man Religionen ja nicht rational erfinden. Sie speisen sich aus Mythen, unbewusst erfahrenen Gewissheiten, aus dem, was »Offenbarung« genannt wird. Zweitens ist nicht klar, ob ihre Wirkung nur positiv ist. Ich würde gerne einmal eine Gegenüberstellung lesen der positiven und negativen Folgen der Wissenschaft – und jener der wohlmeinenden Religionen. Wenn ich mir die Grausamkeiten vor Augen halte, die im Laufe der Geschichte im Namen von Gottheiten begangen wurden, bin ich nicht sicher, wie die Bilanz ausfällt.
ZEIT: Und woran glauben Sie selbst?
Singer: Eine schwierige Frage. Ich glaube, es kommt keiner von uns ohne Metaphysik aus. Ich glaube, dass etwas jenseits unserer begrenzten Vernunft existiert, sozusagen etwas vor und hinter unserer rational erfassbaren Welt. Ich glaube, man sollte es nicht benennen wollen.
SOURCE:
http://www.zeit.de/2005/20/Glauben-Singer
http://www.google.com/url?sa=t&source=web&ct=res&cd=1&url=http%3A%2F%2Fwww.bibliotheca-rfid.com%2Ffiles%2FGoethe_2_08_e.pdf&ei=eATFSebsONWW_gbgjIz1DQ&usg=AFQjCNHyvXNcahb3wVevd5yDRvT3wxKgww&sig2=iD-8gIaRyu53kekcHxOxkQ
No Comments Yet so far
Leave a comment
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <pre> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>






